die Schlacht von GRÖSSBY zu IKEA

Vor etlichen Tagen fand ich einen Prospekt von IKEA im Briefkasten. Beim Durchblättern entdeckte ich ein Schafsfell, mit dem ich bei IKEA schon öfters geliebäugelt hatte. Moment. Das ist nicht das gleiche. Dieses hier ist nicht 100x80cm. Dieses hier ist GRÖSSER (=besser)! 180x100cm. Toll. Im Angebot für 59,- Euro. Aber nur am Dienstag 18. November 2008.

Also wurde der Tag im Kalender rot angestrichen und heute war es dann endlich so weit. Lange Überlegungen, wann ich wohl am besten zum Plündern bei IKEA aufschlage, wurden mir durch andere Umstände abgenommen. So konnte ich heute Morgen direkt meinen Raubzug antreten und musste nicht auf Mittagspause oder Feierabend warten. Ganz pünktlich war ich aber nicht. Als ich eintreffe ist schon seit zwanzig Minuten geöffnet. IKEAtypisch latsche ich durch die ganze Ausstellung, wieder ins Erdgeschoss und nehme mir einen Einkaufswagen, weil ich auch noch Kleinzeugs brauche. Nachdem mir Leute mit Schafsfellen im Arm, im und auf dem Einkaufswagen entgegen kamen, habe ich meinen Plan, den Einkaufswagen dem Weg nach zu füllen, umgeworfen und bin geradlinig zu den Paletten mit den Fellen durchgestartet. Dort angekommen bot sich mit ein Anblick des Grauens. Im Gang 23 — ist diese Zahl ein Zeichen? — gab es ein Durcheinander aus Armen, Jacken, Einkaufswagen, Kartonteilen und auch Fellen. Mutig ins Gefecht gestürzt. Der erste Karton — leer. Der zweite auch. Auf dem dritten liegt ein ausgebreitetes Fell, welches von einer Frau mit hochrotem Kopf gemustert wird. Wie mir erst im nachhinein auffiel, haben alle diesen von Anstrengung, Jagdtrieb und Erwartung verliehenen indianischen Teint. Also weiter, Augen zu und durch. Hier sind noch ein paar. Kaum berührt die Hand das Fell, gellt eine schrille Stimme rechts in mein Ohr, „Das ist aber meins!“ Also ducken und seitlich abrollen. Aus der Deckung auftauchend vorsichtig die Lage sondieren. Auch hier gibt es überall Fein Frauen. Also erstmal schauen, wo noch ein Fell herr frauenlos herum zu liegen scheint. Der nächste Mensch(? — Vielleicht sind das Außerirdische, oder Roboter?) wird freundlich gefragt, ob das Fell, welches man vor sich hat, vielleicht schon in Beschlag genommen ist, oder ob man das vielleicht nehmen dürfe. (Als letzter überlebender Mann in Gang 23 lernt man besser schnell.) Man will schließlich nur ein Fell kaufen. (Genau genommen zwei. Aber eben keine hout couture, sondern eben nur ein doofes Schafsfell.) Verwundert über das Gebaren der Frauen, jedes Fell mehrmals hin- und herzuwerfen und von allen Seiten zu begutachten, frage ich danach, worauf man denn beim Fellkauf achten müsse. Hier scheint es Geheimwissen zu geben. Die Antwort darauf hätte ich mir denken können. Sie war so banal wie frauentypisch. „Ich schaue darauf, ob es mir gefällt.“ Inzwischen habe ich meine beiden Felle zusammengeklaubt und mache mich mit den Worten, „Männer sind so herrlich unkompliziert“, ohne einen weiteren Blick zurück, vom Acker.

Danach konnte ich unblutig und in Ruhe meinen weiteren Einkauf beenden. Bei den Wörtern Schlussverkauf oder Wühltisch werde ich zukünftig aber leichte Beklemmungen zurückbehalten.


 
 
 

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