Spanische Clementinenmafia

Um bei der ständigen Büroarbeit mal wieder eine Idee von gesundem Leben zu bekommen, habe ich mir heute zum Mittag im Supermarkt um die Ecke neben Laugenbrezeln auch ein Netz Clementinen gekauft. Ich mag diese süßen Citrusfrüchte ohne Kerne wirklich gerne. Wann hab‘ ich nur das letzte mal welche gegessen…?
Deshalb freue ich mich schon sehr auf die erste saftige Südfrucht. Was steht auf dem Schild, wo die herkommen? Spanien. Prima, dort scheint die Sonne bekanntlich bei Tag und Nacht. Das schälen ist etwas schwierig. Die Vitaminbomben scheinen ja wirklich sehr frisch zu sein. Das gefällt. Lächelnd pelle ich die letzten weißen Schalenreste von der Frucht. Ich teile mit zwei Segmente ab und stecke sie mir voller vorfreude in den Mund. Jetzt zubeissen und den süßen Geschmack geniessen. Doch statt die erwartete Gaumenfreude zu bereiten ergoß sich ein derart säuerlicher Saft, dass meine Gesichtszüge entsetzt entgleisten. Meine Kollegen finden das toll und gratulieren mir zur prächtigen Auswahl der eingekauften Ware.
Nur mit dem Gedanken an die vielen gesunden Vitamine esse ich den Rest der Beerenfrucht.
Nach der geschmacklichen Katastrophe stelle ich fest, daß die Finger ganz orange sind. Offensichtlich färbt die Schale ab. Bevor ich weiter arbeite und mir die Tastatur versaue, wasche ich mir schnell die Hände.
In den darauf folgenden Stunden poppt diese Situation immer wieder in mein Bewußtsein. Clementine. Kaum zu schälen. Schale färbt dabei ab. Sauer ohne Ende. Mein Unterbewußtsein verbindet alle Elemente und kommt zum dem Schluß, daß hier nur ein Komplott hinter all dem stecken kann. Hier wird mal wieder der unbedarfte Verbraucher geprellt. Man glaubt tolle reife Früchte zu kaufen. In Wahrheit jedoch spielt sich etwas ganz anderes ab.
In Spanien sitzt ein Clementinenbauer, nennen wir ihn Miguel, und überlegt sich wie er seinen Gewinn maximieren kann. Er entwickelt eine geniale Idee. Er erntet die Früchte einfach früher als seine Konkurenz. Dadurch spart er Zeit und kann den Markt auch noch als erster beliefern. Also pflückt er grüne, unreife Früchte. Auf dem Transport reifen die, wie Bananen, und hier im supermarkt um die Ecke kommen essbare Früchte an. Das Spiel kennen wir ja schon. So verfahren inzwischen ja alle Clemeninenbauern. Das ärgert Miguel natürlich, da er jetzt keinen Vorteil mehr hat. Also überlegt er sich was neues. Er erntet noch früher. Die Früchte kämen jetzt aber grün im Supermarkt an. Deshalb besprücht er die Früchte mit einem „Orangemacher“. Eine von Chemikern entwickelte Farbe, die zweigleisig wirkt. Zum einen färbt sie selbst schon ein wenig orange, zum andern bringt er die Frucht dazu ihre Farbe von grün nach orange zu ändern. So kommen im Supermarkt um die Ecke wieder die schönen prallen orangenen Südfrüchte an. Jetzt stimmt wieder alles. – Nur nicht der Geschmack. Aber das ist ja egal. denn dann ist die Ware schon verkauft und bis der Käufer sich wieder traut Clementinen zu kaufen, ist die zweite Lieferung mit den reiferen Früchten ja schon angekommen. Umgekehrt ist es dem Supermarkt um die Ecke auch nur recht, wenn er noch früher Waren anbieten kann, die eigentlich erst später im Jahr erhältlich sind.
Wenn mich jetzt jemand nach Clementinen fragt, hört er jemanden leise von mafiösen Verbindungen brummeln.
Tricatel läßt grüßen.


 
 
 

Ein Kommentar zu “Spanische Clementinenmafia”

  1. Maria
    24. Februar 2008 um 15:44

    Genau! Und bitte: Erdbeerboykott vor dem 1. Mai!

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